Ein neues Zuhause für vom Aussterben bedrohte Schlangen: Leuchtend bunt und stark bedroht: San-Francisco-Strumpfbandnattern ziehen in die Wilhelma ein

Leben Jul 22, 2026 IDOPRESS

In der Wilhelma wurde am Dienstag,21. Juli 2026 die neue Anlage für San-Francisco-Strumpfbandnattern (Thamnophis sirtalis tetrataenia) eingeweiht. Es handelt es sich um eine Unterart der Gewöhnlichen Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis). Von dieser hebt sie sich durch ihr leuchtend türkisblau und orange gefärbtes Streifenmuster ab. Die Unterart stammt aus einem sehr kleinen Verbreitungsgebiet in Kalifornien,wo sie strukturreiche Feuchtgebiete besiedelt.

Aufgrund von Lebensraumzerstörung sind mittlerweile viele Teilpopulation voneinander isoliert,sodass ein genetischer Austausch unterbrochen wurde. Invasive Arten und Krankheiten sowie illegaler Fang setzen den noch vorhandenen Beständen weiter zu. Die mit rund 1.300 Tieren größte Population beherbergt heute der Flughafen von San Francisco,dessen durch Umzäunung bestens geschütztes Gelände mit Wasserflächen,Röhrichten,Wiesen und Buschland noch optimale Lebensbedingungen bietet. Aus vielen anderen seiner früheren Habitate ist das hübsch gefärbte Reptil mittlerweile verschwunden.

In der Wilhelma wurde für die San-Francisco-Strumpfbandnattern in direkter Nachbarschaft zu den Kalifornischen Seelöwen ein 24 m² großes Freilandterrarium als Gemeinschaftsprojekt der Fachbereiche Zoologie,Botanik,Parkpflege,Technik und Umweltbildung realisiert. Die beiden Schlangen,die am Tag der Einweihung ihr neues Zuhause bezogen haben,sind Nachzuchten aus dem Allwetterzoo Münster. Sie werden sich ganzjährig in der Anlage aufhalten. Für die kalte Jahreszeit steht eine frostfreie Überwinterungsbox zur Verfügung,in welche sich die Tiere eigenständig zurückziehen können. Beim Bau der Anlage musste mit höchster Präzision vorgegangen werden,da Jungtiere der Strumpfbandnatter durch kleinste Spalte passen. Ein Schutznetz gegen Reiher und Rabenvögel sowie ein Grabschutz gegen Nagetiere beugen dem Eindringen von Beutegreifern vor.

Die Gestaltung und Bepflanzung der Anlage wurden dem natürlichen Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Schlange nachempfunden. Das Saatgut von 20 typischen Pflanzenarten wurde direkt aus Kalifornien importiert und in der Wilhelma herangezogen. Unter anderem findet man in der Wiesenfläche die Schmalblättrige Seidenpflanze. Sie ist in Nordamerika eine der der Hauptnahrungsquellen für die Raupen des Monarchfalters. Am Rand des Tümpels und in der an die Anlage angrenzenden Vegetation wächst das bis 1,8 Meter hohe silbergraue Amerikanische Moxakraut. In getrockneter Form ist die Pflanze ein wichtiger Bestandteil in den traditionellen Räucherzeremonien der indigenen Bevölkerung Nordamerikas.

Finanziert wurde das neue Großterrarium von der Ingrid Kandler Stiftung in der Stiftergemeinschaft der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen,welche für den Bau der Anlage einen Betrag von 150.000 € zur Verfügung gestellt hat. Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin zeigt sich dankbar: „Wir freuen uns sehr über die große Unterstützung hier aus der Region – zumal die Spende von der Ingrid Kandler Stiftung und der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen nicht nur der Wilhelma,sondern der Erhaltungszucht eines vom Aussterben bedrohten Reptils zugutekommt.“

Um den Erhalt einer Reservepopulation der San-Francisco-Strumpfbandnatter kümmern sich zoologische Gärten in Zusammenarbeit mit privaten Tierhaltenden. Die Organisation Citizen Conservation,mit der auch die Wilhelma eng zusammenarbeitet,koordiniert das gemeinsame Erhaltungszuchtprogramm und bildet das Bindeglied zwischen Zoos,Wissenschaft und Privathaltung.

Foto (Martin Hallmen,Citizen Conservation): Charakteristisch ist das bunte Streifenmuster der Schlange.

PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart

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