Im Kampf gegen die stark gestiegenen Spritpreise hat der Bundestag verschiedene Maßnahmen beschlossen: Tankstellen sollen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen, außerdem wird das Kartellrecht verschärft.


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Preisanzeige an einer Tankstelle am Sonntag in Hamburg
Foto: BREUEL-BILD / IMAGO
Der Bundestag hat ein Gesetz verabschiedet,mit dem starke Preisanstiege an den Tankstellen gebremst werden sollen. Tankstellen sollen die Spritpreise künftig nur noch einmal am Tag erhöhen dürfen – und zwar um 12.00 Uhr. Preissenkungen sollen jederzeit möglich sein,»um den Preiswettbewerb zu erhalten«,wie es im Entwurf heißt. Bei Verstößen drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 100.000 Euro. Die neue Regelung könnte noch vor Ostern in Kraft treten,der Bundesrat muss allerdings noch zustimmen.
Ob dieses Instrument im Kampf gegen hohe Spritpreise hilft,ist umstritten. Es besteht schließlich das Risiko,dass Tankstellen im Ergebnis erst mal kräftig draufschlagen,um sich dann erst von oben an den Marktpreis heranzutasten. Der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap argumentierte,die neue Tankregel könne es für Verbraucherinnen und Verbraucher einfacher machen,Preise zu vergleichen. »Ob dadurch die Preise nachhaltig gesenkt werden können,ist allerdings nicht klar.«
Unter anderem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze hält das bisherige Vorgehen des Bundeskartellamtes angesichts hoher Sprit- und Energiekosten für unzureichend. »Das,was das Kartellamt bisher gemacht hat,ist zu wenig«,hatte der CDU-Politiker im ARD-»Morgenmagazin« gesagt. »Wenn das Kartellamt weiter so arbeitet wie bisher,dann brauchen wir es nicht.« (Lesen Sie dazu hier die aktuelle SPIEGEL-Kolumne: Dieser Behördenchef kuscht vor den Spritkonzernen)
Die Grünen warfen vor allem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor,die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern noch zu erhöhen statt zu verringern. Die Linke forderte ein Energiekrisengeld von 150 Euro für alle. Die AfD sprach von Aktionismus. Allerdings deuten sich auch innerhalb der Bundesregierung weitere Schritte an. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich offen für weitere Maßnahmen. Ein erstes Paket werde »nicht ausreichen,um die Preise so zu dämpfen,dass sie wieder verträglich werden für die Verbraucherinnen und Verbraucher«.
Als Instrumente im Kampf gegen die hohen Spritpreise werden vor allem eine befristete Senkung der Energiesteuer,eine höhere Pendlerpauschale und ein Preisdeckel für Benzin und Diesel diskutiert. Denkbar scheinen auch Entlastungen bei der Lkw-Maut. Außerdem geht es um eine mögliche Übergewinnsteuer,um kriegsbedingte Profite der Mineralölkonzerne abzuschöpfen.
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Auch ohne Neuregelung deutet sich bei den Spritpreisen aber bereits eine Trendwende an. Vor allem Diesel hat sich den zweiten Tag in Folge deutlich verbilligt,wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Mit 2,269 Euro pro Liter im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete der Kraftstoff 4,1 Cent weniger als auf seinem Mehrjahreshoch vom Montag. Der Preis für Superbenzin der Sorte E10 verbilligte sich bereits den dritten Tag in Folge,auf zuletzt 2,068 Euro pro Liter.
Der hohe Spritpreis wirkt sich nach und nach immer mehr auf die Wirtschaft aus. Lebensmittel,Maschinen,Haushaltswaren werden teurer. Lesen Sie dazu hier die SPIEGEL-Story: Die neue Inflationsangst.
apr/dpa/Reuters/AFP
