Die rapide steigenden Ölpreise entwickeln sich zur handfesten Bedrohung für die Weltkonjunktur. Ein Gegenmittel könnte die Freigabe der Reserven sein. Die G7-Staaten sondieren bereits die Möglichkeiten.


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Öllager in Rotterdam: strategische Reserven als Teil eines gemeinsamen Notfallsystems
Foto: Federico Gambarini / dpa
Die führenden Industriestaaten wollen offenbar ihre Erdölreserven einsetzen,um den Preisanstieg am Ölmarkt zu bremsen. Wie die »Financial Times« berichtet,wollen die Finanzminister der G7-Staaten im Verlauf dieses Tages über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Drei G7-Staaten,darunter die USA,hätten bereits ihre Unterstützung für den Vorschlag zugesagt.
Die Mitgliedstaaten der IEA,ein Interessenverband von Industriestaaten,halten strategische Reserven als Teil eines gemeinsamen Notfallsystems für Ölpreiskrisen. Aus dem Bericht der »Financial Times« geht weiter hervor,dass die USA eine gemeinsame Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel für angemessen halten. Dies würde 25 bis 30 Prozent der 1,2 Milliarden Barrel umfassenden Reserve bedeuten.
Damit kletterte der Preis für die Referenzsorte des Großteils der weltweit gehandelten Ölsorten auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit dem Start des Irankriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus auf fast 50 Prozent.
Die globalen Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist durch den Krieg faktisch zum Erliegen gekommen. Die Angst vor einer längeren Sperrung der Schifffahrtsstraße bleibt ein bestimmendes Thema. Am Wochenende hat Israel zudem Öllager in der iranischen Hauptstadt Teheran angegriffen.
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Anzeichen für ein schnelles Ende des Krieges sind nicht zu erkennen. Mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump,der vom Iran eine bedingungslose Kapitulation gefordert hatte und der Ernennung des Hardliners Modschtaba Chamenei als neuen iranischen Führer nähmen die Risiken für ein längeres Andauern weiter zu,heißt es in einer Analyse der Dekabank.
Trump,für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner Wählerschaft zum Problem werden könnten,versuchte,den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu lenken: »Die kurzzeitigen Ölpreise,die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden,sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt«,schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
mik/Reuters
