Der Bund müsse prüfen, ob auch ohne die Standorte des Pharmaunternehmens noch genügend Impfstoff produziert werden könne, fordert Sebastian Dullien. Im Zweifelsfall brauche es Subventionen.


Bild vergrößern
Aufnahme aus einem Biontech-Labor im Oktober 2022
Foto: Andre Pain / AFP
Kann Deutschland im Notfall genug Impfstoff produzieren – trotz des Aus der Biontech-Standorte? Das solle die Bundesregierung klären,mahnt der Ökonom Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). »Wir haben in der Covid-Pandemie gesehen,dass eine rein betriebswirtschaftliche Wahl von Produktionsstätten für Impfstoffe im Krisenfall zu Versorgungsengpässen führen kann«,sagt Dullien.
Biontech hatte am Dienstag angekündigt,fast alle heimischen Produktionsstandorte zu schließen. Bis zu 1860 Stellen sollen gestrichen werden,die Covid-Impfstoffherstellung wird komplett an den US-Partner Pfizer übertragen. »Grundsätzlich stellt sich hier die Frage,ob die Einzelentscheidungen von Unternehmen die Resilienzanforderungen Deutschlands ausreichend berücksichtigen«,sagt der Ökonom Dullien.
Im Laufe des Jahres beabsichtigt das Unternehmen,die letzten Chargen des Covid-Impfstoffes in Deutschland herzustellen. Das Unternehmen schließt im Zuge des Umbaus seine Werke in Idar-Oberstein,Marburg und Singapur sowie die Standorte des übernommenen Tübinger Rivalen Curevac. In Deutschland bleiben neben dem Hauptsitz in Mainz nur noch die Bürostandorte Berlin und München erhalten. Die Schließungen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
data-area="text" data-pos="12">
»Deutschlands Impfstoffchampion hat sich verrechnet«: Das Biopharma-Unternehmen Biontech schließt Werke,fast 2000 Jobs sind in Gefahr. Was wie eine Reaktion auf den Einbruch der Impfnachfrage klingt,ist in Wirklichkeit die Quittung für Jahre verschlafener Entscheidungen. Mehr über die Standortschließung lesen Sie hier.
jml/Reuters
